Muskulatur der Frau – 5 interessante Unterschiede zwischen Mann und Frau

Abgesehen davon, dass Männer und Frauen Menschen sind, haben sie körperlich gesehen die gleiche Muskelzusammensetzung. Ihre prozentualen Anteile an Typ1 Muskelfasern (aeroben) und Typ2 Muskelfasern (anaerob) sind gleich. Lies hier welche Unterschiede in der Muskulatur es zwischen Mann und Frau gibt, denn die Muskelfasern der Frauen unterscheiden sich von denen der Männer.

5 Unterschiede in der Muskulatur von Mann und Frau

1. Frauen haben weniger Muskelmasse

Frauen unterscheiden sich von Männern nicht nur in ihrer Größe, sondern auch in ihrer Körperzusammensetzung. Wie bereits im Beitrag der Hormone aufgezeigt wurde, haben Frauen einen niedrigeren Testosteronspiegel als Männer. Aus diesem Grund hat eine Frau im Vergleich zum Mann weniger Muskelmasse. Relativ gesehen besteht der Körper von Frauen aus ungefähr 36% Muskelmasse und der der Männer aus 42% Muskelmasse.

2. Frauen haben relativ gesehen stärkere Unterkörper als Männer

Im Durchschnitt sind Frauen nur 52% so stark wie Männer im Oberkörper, aber 60% so stark wie Männer im Unterkörper. Somit haben Frauen proportional gesehen mehr Muskulatur und somit mehr Power im Unterkörper als Männer. Die Kräfte kommen vor allem aus der Hüfte und den Beinen. Dies ist natürlich auch vollkommen wichtig, da Frauen vor der Geburt einige Kilogramm mehr tragen müssen. Die Hersteller von Fahrrädern für Frauen berücksichtigen dies. Die Geometrie der Räder ist anders als die der Männer, damit der Körperschwerpunkt über den Pedalkurbeln ist.

3. Frauen haben längere Typ 1 (aerobe) Muskelfasern als Männer

Die Muskulatur besteht aus langsam (Typ1) und schnell (Typ 2) kontrahierenden Muskelfasern. Bei Typ 1 Muskelfasern erfolgt die Energiegewinnung in den Mitochondrien aus Glukose und Fettsäuren langsam und aerob, also unter Verbrauch von Sauerstoff. Diese Muskelfasern bestehen aus viel Myoglobin, ein Muskelprotein, welches den Sauerstoff an die Muskulatur bindet. Diese Muskelfasern arbeiten in der Muskulatur bei geringeren Intensitäten.

Die Typ 1 Muskelfasern sind effizienter in der Fettverbrennung und sparen durch den Verbrauch von Sauerstoff Glykogen auf. Bei Frauen sind die für den Ausdauersport relevanten Typ 1 Muskelfasern länger als bei Männern. Somit haben Frauen einen Vorteil in den Ausdauersportarten, den man gerade in den extrem langen Trail Läufen erkennen kann.

Triathlon Girls Muskulatur Frauen

4. Frauen haben kürzere Typ 2 (anerobe) Muskelfasern als Männer

Die Typ 2 Muskelfasern kontrahieren schneller als die Typ1 Muskelfasern. Die Energiegewinnung erfolgt im Zellplasma anaerob und somit ohne Verbrauch von Sauerstoff. Hierbei werden entweder die gespeicherten Phosphate ATP und Kreatinphosphat gespalten oder Glukose unvollständig abgebaut. Bei letzterem wird allerdings Laktat (Milchsäure) gebildet, welches für unseren Muskelkater verantwortlich ist. Bei hohen Intensitäten spielen diese Energiegewinnungen eine entscheidende Rolle.

Auch die Typ2 (anaerobe) Muskelfasern der Frau unterscheidet sich von denen der Männer, denn Frauen haben kürzere und dünnere Typ2 Fasern in ihrer Muskulatur.

Durch das Energie produzierende Enzym, welches in den Typ 2 Muskelfasern steckt (LDH), ist bei Männern die Glykogen Kapazität höher. Als Glykogen bezeichnet man die Speicherform von Glukose. Durch die größere Glykogen Verfügbarkeit, können Männer in der Sprintphase (anaeroben Phase) mehr Glykogen verbrauchen als Frauen. Gleichzeitig können sie dabei aber auch mehr Laktat anhäufen. Daraus resultiert eine längere Erholungszeit nach extrem intensiven All-Out Einheiten bei Männern.

5. Frauen reagieren hormonell bedingt unterschiedlich auf Krafttraining

Wie bereits erwähnt, verfügt die Frau durch den niedrigeren Testosteronspiegel über weniger Muskelmasse als der Mann. Testosteron wirkt anabol und damit Kraft aufbauend, was bedeutet, dass Männer beim Training schneller Muskeln aufbauen als Frauen.

Im natürlichen Menstruationszyklus der Frau, der nicht durch die Verwendung hormoneller Verhütungsmittel gestört ist, wird das Krafttraining durch die weiblichen Sexualhormone beeinflusst. Vor allem durch Progesteron.

Progesteron wird nach dem Eisprung produziert, um die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung der Eizelle vorzubereiten. Es wirkt katabol, also muskelabbauend und dementsprechend dem anabol wirkenden Östrogen entgegen. Durch den höheren Progesteronspiegel in der Phase vor der Menstruation ist die Reaktion auf das Krafttraining gehemmt. Frauen können in dieser Phase ihre maximalen Leistungen nicht erreichen.

Intensives Krafttraining ist vor allem in der Phase mit niedrigerem Hormonspiegel also vor dem Eisprung zu empfehlen.


Hoffentlich konnte der Beitrag ein wenig Einsicht geben, inwiefern sich die Muskulatur der Frau von der der Männer unterscheidet. Neben den Muskeln gibt es noch weitere interessante Unterschiede zwischen Frau und Mann. Sieh dir gerne auch den Beitrag zum Hormonsystem, zum Stoffwechsel und zum Herz-Kreislauf-System an.